Dies und Das
Erfolgreiche
Frühdefibrillation durch den HvO am 17. Mai 2007
Am Abend
des 17.05.2007 erschien ein junger Mann bei der BRK-Bereitschaft
Oberwarmensteinach und berichtete aufgeregt, er sei eben telefonisch
benachrichtigt worden, seine Großmutter habe einen Herzinfarkt erlitten. 3
Mitglieder der Bereitschaft, Michael Appelt, Harald Bauer und Alexander
Prechtl, fuhren sofort zum Notfallort, fanden eine leblose Patientin vor und
begannen unverzüglich mit der
Basisreanimation („Herz-Lungen-Wiederbelebung“). Die Angehörigen hatten auch
die Rettungsleistelle angerufen, welche neben dem Rettungsdienst mit Notarzt
auch den HvO („Helfer vor Ort“) Fichtelgebirge alarmierte, der vor dem
Rettungsdienst eintraf. Die Basisreanimation war bis zum Eintreffen des HvO,
Thomas Mathy, Bereitschaft Fichtelberg,
von den 3 Sanitätern der Bereitschaft Oberwarmensteinach über 5 – 7
Minuten durchgeführt worden. Der Einsatz des AED (Automatischer externer Defibrillator)
zeigte ein Kammerflimmern als Ursache des Kreislaufstillstandes. Nach 2
Elektroschocks konnte wieder ein pulswirksamer Herzrhythmus ausgelöst werden,
die Patientin wurde nach weiterer Versorgung durch die Notärztin in stabilem
Kreislaufzustand ins Klinikum Bayreuth gebracht.

Von
links: M.Appelt, H.Bauer, A.Prechtl, Th. Mathy Th.
Mathy mit dem AED
Allein durch diesen Einsatz des AED´s hat sich die Unterstützung des HvO - Projekts durch die Bevölkerung des Hohen Fichtegebirges ausgezahlt. Es ist bestimmt auch im Sinne der geretteten Patientin, allen Bürgern und Firmen zu danken, die durch ihre teils sehr großzügige finanzielle Unterstützung den Aufbau des HvO als im wörtlichen Sinn lebenswichtige Ergänzung des Rettungsdienstes ermöglicht haben.
Dieser Fall zeigt aber auch die große und entscheidende Bedeutung des Ineinandergreifens der „Rettungskette“. Nur durch die Überbrückung der Zeit bis zum Einsatz des AED durch eine gut durchgeführte Basis–Reanimation in Form der Herzdruckmassage und Beatmung konnten die weiteren Maßnahmen noch zum Erfolg führen. Diese Basisreanimation ist für jeden einigermaßen gesunden Jugendlichen und Erwachsenen leicht erlern- und anwendbar. Es wäre eine tolle Sache und eine Freude für die Angehörigen der BRK–Bereitschaften des Hohen Fichtelgebirges, wenn die Ausbildungsangebote für die Herz-Lungen-Wiederbelebung auf Ihr Interesse stoßen würden.
(Dr. Peter Fülle, Bereitschaftsarzt der Bereitschaften Warmensteinach und Oberwarmensteinach)
Ein neues Projekt wird beim
BRK Bayreuth umgesetzt: Die Frühdefibrillation durch den „Helfer vor Ort“ (HvO)
Ich habe dazu einen Leitfaden für die Ausbildung
entworfen, den ich nachfolgend vorstelle.
HvO – Ausbildung
zur Frühdefibrillation
mit AED´s
(Dr. med. Peter Fülle,
Warmensteinach)

Benützte Quellen:
1. alert Supplement 2/94 (Interdisziplin. Workshop Frühdefibrillation)ANR: „Die Leitlinien 2000 für die Cardiopulmonale Reanimation“
Internet-Seiten des rzr
2. Ausbildungsinformationen im Bayerischen Roten Kreuz März 2001
3. Laerdal „News Flash“, Ausgabe 6 – Okt. 2001, S. 13: „Anforderungen an die Laienausbildung in der Frühdefibrillation“ von R. Tries
4. Taschenatlas der Physiologie, Thieme-Verlag
5. Seminarunterlagen für Projektleiter Frühdefibrillation (24. Fortbildungstagung der agbn Oktober 2006, Lindau)
6. Internetseite www.bnk.de
(Stand:Juni 2007)
WARUM ÜBERHAUPT
FRÜHDEFIBRILLATION ?
Der „plötzliche Herztod“ ist nach wie vor eine häufige Ursache für den vorzeitigen Tod vieler Menschen, vor allem in der westlichen Welt (Ursache: „Wohlstandsgesellschaft“)
Auf 1000 Einwohner kommt es im Jahr zu durchschnittlich 1,4 Fällen eines plötzlichen Herztodes bzw. zu rund 0,9 Reanimationen pro Jahr.
Beim plötzlichen Herztod liegen in ca. 80% der Fälle Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern (KF) oder pulslose Ventrikuläre Tachykardien (plVT) vor, die den Kreislaufstillstand hervorrufen.
Beim Auftreten von KF oder einer plVT läuft die Zeit gegen das Überleben rasch ab: Nach 4 Minuten Kreislaufstilstand ohne jede Reanimation werden bleibende Schäden zu erwarten sein, nach 7 Minuten ohne BLS („Basis life support“) bleibt der betreffende wahrscheinlich ein Pflegefall. 10 Minuten ohne BLS bedeuten in der Regel den Tod.
Eine früh einsetzende Herz-Lungen-Wiederbelebung ist daher eine wichtige Voraussetzung für einen günstigen Ausgang bei aufgetretenem KF bzw einer plVT.
Zur Beseitigung eines KF oder einer plVT ist der Einsatz eines Defibrillators die ent-scheidende Maßnahme; je früher er zum Einsatz kommt, umso besser werden die Chancen
für ein qualifiziertes Überleben des Patienten, d.h. für ein Überleben mit ausreichender
Lebensqualität.

(aus „alert“ 2/94, S. 13,
Medizinisch-wissenschaftl. Grundlagen/Überlebenskette)
Mit jeder Minute, die das KF andauert, sinken die Chancen auf
eine erfolgreiche Defibrillation, das KF geht in eine Asystolie über. Dies sind
die Gründe dafür, durch eine breite Schulung der FD mittels AED´s den
schnellstmöglichen Elektroschock zu ermöglichen.
Physiologie und Pathophysiologie der Herztätigkeit
Das Herz ist ein Muskel, der zu eigenständigen, rhythmischen
Kontraktionen befähigt ist. Teile des Myokards haben sich zu einem
„Reizbildungs- und Erregungsleitungssystem“ entwickelt, welches für das
regelmäßige Auftreten von Reizen zur Kontraktion der Arbeitsmuskulatur des
Herzens und für eine geordnete Ausbreitung der damit verbundenen elektrischen
Erregung verantwortlich ist.
Folgende anatomische Strukturen können unterschieden werden:
1. Sinusknoten der
reguläre Schrittmacher des Herzens
2. AV-Knoten zwischen
Vorhöfen und Kammern gelegen, einzige Stelle,
an der die Erregung von den Vorhöfen auf die Kammern über –
gehen kann. Verzögert dabei die Erregungsüberleitung
3. HIS-Bündel Entspringt aus dem AV-Knoten und teilt sich nach kurzem Weg
in die Leitungsbahnen zu den Ventrikeln
4. TAWARA-Schenkel Aufzweigungen des HIS-Bündels, leiten die Erregung in den
rechten (re. Tawara-Schenkel) bzw. linken (li. Tawara-
Schenkel) Ventrikel
5. PURKINJE-Fasern oder Purkinje-Endnetz: Endaufzweigungen der Tawara-
Schenkel Hier erreicht die fortgeleitete Erregung das Arbeits-
myokard und bringt es zur Kontraktion.
Der Sinusknoten liegt im rechten Vorhof an der Einmündung der oberen Hohlvene; da die elektrischen Entladungen („Depolarisationen“) im Sinusknoten schneller als in allen anderen Abschnitten des Erregungsleitungssystems erfolgen (ca. 60/min.), übernimmt der Sinusknoten üblicherweise die Steuerung des Herzrhythmus.
Vom Sinusknoten aus breitet sich die Erregung über die schwach ausgebildete Arbeitsmusku-latur der Vorhöfe aus und bringt diese zur Kontraktion. Gleichzeitig wird die Erregung über Leitungsbahnen zum AV-Knoten geleitet, der einzigen Stelle, an der die Erregung von den Vorhöfen in die Kammern übergeleitet werden kann. Ansonsten sind Vorhöfe und Kammern des Herzens durch eine isolierende, weil nicht depolarisierbare Bindegewebsschicht getrennt.
Die Erregungsweiterleitung wird im AV-Knoten verzögert, so dass die Kammererregung erst 0,12 – 0,20 Sek. nach der Vorhoferregung beginnt, wenn diese bereits wieder abgeklungen ist.
Der AV-Knoten wäre auch in der Lage, als Schrittmacher die Ventrikel zu stimulieren, allerdings mit einer niedrigeren Frequenz als der Sinusknoten, nämlich mit ca. 45 –50/min.
Aus dem AV-Knoten tritt das HIS-Bündel aus, welches sich alsbald in eine Leitungsbahn zum rechten und linken Ventrikel aufteilt, den rechten und linken TAWARA-Schenkel. Die TAWARA-Schenkel verästeln sich baumartig in immer kleiner Aufzweigungen, die als PURKINJE-Fasern in der Arbeitmuskulatur der Kammern enden und diese durch Auslösung einer Depolariation zur Kontraktion bringen.
Auch im HIS-Bündel, in den TAWARA-Schenkeln und im PURKINJE-Endnetz entstehen rhythmische Entladungen, die aber vom AV-Knoten abwärts immer niedriger Frequenzen haben, so dass die vom Sinusknoten ausgehenden Impulse alle anderen möglichen Schritt-macher überfahren. Im Falle einer kompletten Unterbrechung der Erregungsleitung, z.B. im HIS-Bündel, können diese in den TAWAR-Schenkeln gelegenen Schrittmacher aber aktiv werden und die Ventrikel stimulieren, dann allerding mit einer Herzfrequenz von 25 – 30/min.
Bei Verzögerungen der Erregungsleitung in den Aufzweigungen der TAWARA-Schenkel oder im Purkinje-Endnetz können „kreisende Erregungen“ auftreten, die hochfrequente, unkoordinierte Depolarisationen der Kammermuskulatur auslösen, das Kammerflimmern.
Beim KF treten völlig unkoordinierte Depolarisationen in der Kammermuskulatur mit einer Frequenz von 250-400/min. auf, die keinerlei Auswurfleistung b-wirken, das Herz „wackelt“ nur hochfrequent wie ein Wackelpuddig, es besteht ein Kreislaufstillstand.
Pulslose ventrikuläre Tachykardie (plVT)
Die Frequenz der Entladungen in der Kammermuskulatur ist niedriger (200-250/min.) und treten gleichmäßig auf, allerdings kommt es auch hier nicht zu einem Auswurf von Blut aus der linken Herzkammer, da diese sich bei der hohen Frequenz infolge der zu kurzen Diastole nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann. Auch hier kommt es zum Kreislaufstillstand.
Wenn keine Depolarisationen der Herzmuskulatur mehr auftreten, als auch ein „elektrischer“ Herzstillstand vorliegt, spricht man von einer Asystolie. Hier sieht man im EKG keinerlei Ausschläge, sondern nur eine „Nulllinie“. Selbstverständlich bedeutet auch dies, dass ein Kreislaufstillstand vorliegt.
Mit diesem Begriff beschreibt man einen Zustand des Herzens, bei dem zwar im EKG einigermaßen regelmäßige Entladungen zu erkennen sind, die aber keinerlei Pumpleistung des Herzens auslösen. Hierbei handelt es sich meist um eine schwerste Schädigung des Herzens, welche in der Regel in eine finale Asystolie übergeht („Sterbendes Herz“).
In den Vorhöfen kann Flimmern der Arbeitsmuskulatur auftreten, ohne dass das Flimmern die Ventrikelmuskulatur erfasst. Durch die Bremsfunktion des AV-Knotens werden die hochfrequenten Flimmererregungen der Vorhöfe nicht gleich auf die Kammern übergeleitet, sondern es kommt zu einer abolut unregelmäßigen Überleitung von Erregungen, so dass die Kammern „absolut arrhythmisch“ schlagen. Hierbei besteht kein Kreislaufstillstand, sondern es fällt nur ein dauernd unregelmäßiger Puls auf. Es besteht eine absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern.
Sowohl in den Vorhöfen wie in den Kammern können verfrüht einfallende „Zwischenschläge“ auftreten, sogenannte Extrasystolen, die im Tagesverlauf bei fast jedem Menschen auftreten können und die zumeist harmlos sind.
Die Überleitung der Vorhoferregung in die Kammern durch den AV-Knoten kann gestört sein, was zu einem unregelmäßigen oder zu einem langsamen Puls führen kann. Es kann sein, dass in bestimmten Intervallen vom Sinusknoten ausgehende Erregungen nicht übergeleitet werden (AV-Block II. Grades) oder es kommt zu einer vollständigen Unterbrechen der Erregungsüberleitung (AV-Block III. Grades), wobei die Stimulierung der Kammern dann von einem Schrittmacher unterhalb der Unterbrechung mit entsprechend niedriger Frequenz erfolgen muss. Ein AV-Block I. Grades liegt vor, wenn zwar jede Vorhoferregung übergeleitet wird, jedoch mit einer Verzögerung über 0,20 Sek.; es handelt sich also um eine Diagnose, die nur im EKG erkannt werden kann und die sich beim Pulsfühlen nicht zu erkennen gibt.
Mittels Defibrillation werden in der Notfallmedizin das Kammerflimmern und die pulslose Ventrikuläre Tachykardie behandelt. Bei diesen Rhythmusstörungen ist der Patient infolge des Kreislaufstillstandes tief bewusstlos.
Unter Umständen wird der Notarzt auch eine Ventrikuläre Tachykardie (VT) defibrillieren, die nicht mit einem Kreislaufstillstand einhergeht, sondern bei der noch ein Puls getastet werden kann. Da dabei aber der Patient in der Regel nicht bewusstlos ist, muss zuvor eine Narkose eingeleitet werden.
Zwar kann auch das Vorhofflimmern mittels Elektroschock beseitigt werden, man spricht hier von der „Kardioversion des Vorhofflimmerns“, dies ist aber kein Thema für die Notfallmedizin
Eine Asystolie ist nicht defibrillierbar und daher keine Indikation für eine Defibrillation, ebenso wenig eine elektromechanische Entkoppelung. Nicht defibrilliert wird bei Extrasystolen und bei AV-Blockierungen.
Für die Frühdefibrillation durch Nicht-Ärzte mit einem AED verbleiben also ausschliesslich das Kammerflimmern (oder Kammerflattern) sowie die pulslose ventrikuläre Tachykardie.
Schwerwiegende Rhythmusstörungen bis hin zum Auftreten von Kammerflimmern und ventrikulären Tachykardien sind nicht selten Begleiterscheinungen der Koronaren Herz-krankheit, also der Erkrankung der Herzkranzgefäße, insbesondere bei deren Endpunkt, dem Auftreten eines Herzinfarktes durch kompletten Verschluss einer Koronararterie.
Auch bei anderen Herzerkrankungen (Herzklappenfehlern, Herzmuskelentzündungen usw) können Rhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern auftreten.
Stromunfälle können Kammerflimmern auslösen, ebenso wie Ertrinkungsunfälle oder andere Zustände mit Sauerstoffmangel.
Kammerflimmern kann eintreten als Folge von Medikamentenvergiftung oder als Medikamentennebenwirkung, bei schweren Elektrolytstörungen (Kaliummangel oder bei einer schweren Unterkühlung.
Zahlenmäßig die größte Bedeutung dürfte die Koronare Herzkrankheit (KHK) als Auslöser eines Kammerflimmerns haben.
Unmittelbar nach dem Abgang aus dem linken Ventrikel gehen in Höhe der Taschenklappen aus der Aorta die rechte und linke Kranzarterie ab, die das Herz in Höhe des Übergangs der Vorhöfe in die Kammern wie ein Kranz umfassen, daher der Name Kranz- oder Koronararterien. Die Kornararterien führen dem Herzmuskel sauerstoffreiches Blut zu, das dieser für seinen Energiestoffwechsel in reichlichem Maße benötigt.
Die Weite der Koronararterien hat eine große Sicherheitsspanne: Nahezu 70% der normalen Weite einer Koronararterie kann eingeengt sein, bevor es zu Symptomen des Sauerstoffmangels im nachfolgenden Herzabschnitt kommt. Bei einem Verschluss eines Herzkranzgefäßes kann der von der Versorgung abgeschnittene Anteil des Herzmuskels absterben, wenn der Verschluss nicht innerhalb von 1 – 3 Stunden wieder eröffnet werden kann oder ausreichend vorhandene Umgehungskreisläufe der Koronararterien die Katastrophe verhindern. Das Absterben des Herzmuskels durch Sauerstoffmangel infolge eines Koronar-arterienverschlusses bezeichnet man als Herzinfarkt.
Wegbereiter („Risikofaktoren“) einer KHK sind der Nikotinkonsum, erhöhte Blutfette, die Zuckerkrankheit und weiter der Bluthochdruck sowie Übergewicht und Bewegungsmangel als
Weit verbreitete „Grund-Risikofaktoren“.
Auch bei kleinen Herzinfarkten, bei denen nur eine kleine, für die Pumpfunktion des Herzens unbedeutende Muskelmasse abstirbt, kann ein Kammerflimmern auftreten und zum Tod im Kreislaufstillstand führen.
RECHTLICHE
GRUNDLAGEN
Im Heilpraktikergesetz wird im §1 festgelegt, dass die Ausübung der Heilkunde nur durch Ärzte oder mit behördlicher Genehmigung erfolgen darf.
Der Arzt kann Teile der ärztlichen Maßnahmen an Nicht-Ärzte delegieren. Dies setzt voraus, dass die übertragene Maßnahme grundsätzlich delegierbar ist (z.B. Legen eines venösen Zugangs, Verabreichen von Medikamenten) und dass der die ihm übertragene Maßnahme Ausführende dafür auch qualifiziert ist (z.B. der Rettungsassistent als Helfer des Notarztes, die Arzthelferin als Helferin des niedergelassenen Vertragsarztes).
Eine Delegation von ärztlichen Leistungen ist nur möglich, wenn der delegierende Arzt an der Einsatzstelle anwesend ist ! Eine Delegation ist nur möglich im konkreten Einzelfall, nicht auf begrenzte Dauer, und wenn der Durchführende dazu qualifiziert ist und der ständigen ärztlichen Kontrolle unterliegt
Im Falle einer Delegation ärztlicher Maßnahmen hat der Arzt die Anordnungsverantwortung und die Überwachungsverantwortung. Beim Ausführenden, z.B. dem Rettungsassistent, liegt die Durchführungsverantwortung und die Pflicht zur lückenlosen Dokumentation. Dies bein-haltet, dass der RA für das im Rahmen der Delegation eingesetzte Gerät eine gültige Einweisung nach MedGV oder jetzt MPG (Medizinproduktegesetz) verfügen muss.
Nach § 34 StGB besteht ein „rechtfertigender Notstand“ wenn zur Abwendung einer konkreten, gegenwärtigen Gefahr für Gesundheit und Leben eines Dritten angemessene Mittel im Rahmen einer Rechtsgutabwägung angewendet werden, um die bestehende Gefahr abzuwenden.
Nach dem Arztvorbehalt in §1 des Heilpraktikergesetzes darf ein Nichtarzt keine Mittel anwenden, die in die Unversehrtheit des Körpers eines anderen Menschen eingreifen, sonst würde er sich strafbar machen.
Liegen aber Umstände vor, die es unabwendbar erscheinen lassen, eben solche Eingriffe vorzunehmen, um das Leben eines Dritten zu retten, wobei keine Alternativen erkennbar sind, dann liegt ein rechtfertigender Notstand vor.
Beim Vorliegen eines Kammerflimmerns oder einer pulslosen ventrikulären Tachykardie ist eine möglichst frühe Defibrillation eine allgemein anerkannte Maßnahme, das Leben des betroffenen zu retten. Wenn nicht in Minutenfrist ärztliche Hilfe zu erwarten ist, das Vorliegen von Kammerflimmern bzw. einer pulslosen Kammertachykardie sicher erkannt werden kann und der betreffende, zu Hilfe kommende Laie aufgrund einer Schulung und Einweisung ausreichende Kenntnisse für eine sichere Bedienung des AED besitzt, dann kann er im Rahmen der Notkompetenz eine Frühdefibrillation mit einem AED ausführen, da Gründe für einen rechtfertigenden Notstand vorliegen.
Durch die Ausbildung in der HLW ist der Laie in der Lage, einen Kreislaufstillstand zu erkennen, die Diagnose einer defibrillierbaren Ursache des bestehenden Kreislaufstillstandes übernimmt der AED. Durch die spezielle Schulung und Einweisung in den Gebrauch des AED ist der Laie berechtigt, diesen anzuwenden, wenn ärztliche Hilfe nicht in erforderlicher Kürze erreichbar ist.
Die Voraussetzungen für die FD im Rahmen der Notkompetenz
sind also:
Wenn die FD im Rahmen eines organisierten HvO-Dienstes erfolgt, ist eine Geräteeinweisung nach MPG zwingend erforderlich. Weiterhin ist für die Anwendung der FD im Rahmen des HvO-Dienstes im Auftrag und Namen einer Hilfsorganisation eine Überwachung bzw. Nach-besprechung jedes Einsatzes des AED durch den ärztlichen Programmleiter erforderlich !
Dies erfordert eine lückenlose Dokumentation eines jeden Einsatzes des AED.
REANIMATION 2006 – BASIC LIFE SUPPORT
Die Grundlage für eine erfolgreiche Frühdefibrillation ist eine solide Basisreanimation nach den gültigen Richtlinien. Der Algorithmus der Basis-Reanimation durch Fachpersonal, zu dem der HvO aufgrund seiner Ausbildung gehört, wird im nachfolgenden Diagramm dargestellt und ist die Grundlage für das weitere Vorgehen.
Beachten Sie bitte die Änderungen gegenüber dem früheren Algorithmus mit dem immer anzuwendenden Verhältnis Herzdruckmassagen : Beatmungen 30 : 2, dem sofortigen Notruf bei anzunehmender kardialer Ursache der Bewusstlosigkeit und der vorgezogenen Herstellung der Absaugbereitschaft.
Dieser Algorithmus ist vom BRK übernommen worden und verbindliche Grundlage für die Schulung der Reanimation.
Da es im Internet schon hervorragende Darstellungen des Ablaufs einer Reanimation gibt, verweise ich einfach auf eine entsprechende Seite, die als Link zu öffnen ist: http://www.bnk.de/transfer/files/Reanimation.ppt
Zum Öffnen der Seite ist Powerpoint erforderlich.
HANDLUNGSABLAUF
BEI ANWENDUNG DES AED
Bei Verfügbarkeit eines AED hat die Klärung, ob einem Kreislaufstillstand ein KF oder eine pulslose VT zu Grunde liegt, also defibrillierbare Rhythmusstörungen, zwar weiter eine hohe Priorität, der Algorithmus 2006 betont aber wieder die Bedeutung der Wiederherstellung eines Kreislaufs.
Beim Einsatz des HvO mit über die Rettungsleitstelle erfolgter Alarmierung ist davon auszugehen, dass die Lage „bewusstlose Person“ bekannt und eine Notarztalarmierung zeitgleich erfolgt ist. Im Zweifelsfall sollte dies bei der Anfahrt nachgefragt werden.
Bei einem nicht beobachtetem Kollaps ist der Ablauf einer Reanimation wie folgt:
Atemwege freimachen, Atem-/ Pulskontrolle
Ggf. NA-Ruf
![]()
![]()
CRP 30:2 = 5 Zyklen 2 Minuten In dieser Zeit Vorbereiten und Inbetriebnahme des AED

(Folie
des BRK-Landesverband)
Bei erfolgreicher Defibrillation (AED: „Puls prüfen !“) mit wieder tastbarem Puls ggf. weitere Beatmung.
Bei Übergang auf einen nicht defibrillierbaren Zustand und weiter bestehendem Kreislaufstillstand (Asystolie, elektromechanische Entkoppelung) Basisreanimation.
Nach Eintreffen des Rettungsdienstes/Notarztes wird dieser die Reanimation übernehmen und ggf. den „advanced life support“ einleiten oder die Lage stabilisieren, bis die Transportfähigkeit gegeben ist.
Grundsätzlich kann es aber immer wieder erforderlich sein, den Handlungsablauf der tatsächlichen Situation anpassen zu müssen.
Merke:
Der AED ersetzt nicht das eigene Mitdenken !!!
Abkürzungen, Fremdworte und Fachbegriffe
AED Automatischer Externer Defibrillator
Algorithmus Beschreibung bzw. Festlegung eines Handlungsablaufs
ALS „Advanced life support“ = Erweiterte Maßnahmen der
kardiopulmonalen Reanimation (HLW) durch Massnahmen
wie Intubation, Medikamentengabe, Defibrillation
Angina pectoris „Brustenge“; Schmerzen in der Brust, die durch eine Durch-
Blutungsstörung des Herzmuskels mit dadurch ausgelöster
Sauerstoffnot verursacht werden.
Asystolie Völliges „Stillstehen“ des Herzens („Fehlen von Systolen“),
prognostisch bedenkliche Ursache eines Kreislaufstillstandes
Atrium Vorhof des Herzens
AV-Block Störung der Erregungsleitung im AV-Knoten
(nur Zeitverzögerung = AV-Block I. Grades
Teilweiser Blockierung der AV-Überleitung = II. Grades
Völliger Ausfall der AV-Überleitung = III. Grades
AV-Knoten Atrioventrikularknoten, gehört zum „spezifischen Erregungs-
Leitungssystem“ des Herzens
BLS „Basic life support“ = „klassische“ HLW
Bradykardie Langsamer Herzschlag (Brady = langsam), also unter
60/min.
Defibrillation Hier im engeren Sinne: Beseitigung von ->Kammerflimmern
oder einer (pulslosen) ->ventrikulären Tachykardie durch
einen Stromstoss („Elektro-Schock“)
Diastole Erschlaffungsphase der Ventrikelmuskulatur
EKG Elektrokardiogramm = Darstellung bzw. Aufzeichnung
der elektrischen Felder, die durch die Entladungsvor-
gänge im Herzen entstehen
Herzinfarkt Absterben von Herzmuskelzellen durch Sauerstoffmangel
infolge Verschluss einer Koronararterie
Herzkranzgefäße Blutgefäße, die der Versorgung des Herzmuskels selber
Mit Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffen dienen;
umgeben das Herz wie ein „Kranz“, daher die Bezeichnung
HIS-Bündel Abschnitt des Erregungsleitungssystems im Anschluss
an den AV-Knoten im obersten Teil des Septums
Intubation Einführen eines Tubus (=Beatmungsschlauches) in die
Luftröhre (oral: Einführen durch den Mund, nasal: Ein-
führen durch die Nase)
KF Kammerflimmern: ungeordnete, sehr schnelle Kontraktionen
der Muskelfasern der Kammermuskulatur ohne jede
Auswurfleistung von Blut: Frequenz 300-400/min.
Koronararterien die Herzkranzgefäße im engeren Sinn; entspringen als
rechte und linke Koronararterie der Hauptschlagader
(Aorta) unmittelbar nach deren Abgang aus dem linken
Ventrikel im Bereich der Taschenklappen.
Kreislaufstillstand Fehlender Blutfluss in den Schlagadern und Venen, z.B.
infolge -> Kammerflimmers, -> Asystolie, ->pulsloser
ventrikulärer Tachykardie u.a.
Lungenembolie Plötzlich auftretende Verlegung der Lungenschlagader bzw.
deren Aufzweigungen durch ein Blutgerinnsel, das mit dem
Blutstrom aus den Venen des Körpers (Bein- oder Becken-
Venen stammend in die Lungenstrombahn verschleppt wird.
Mitralklappe Segelklappe zwischen linkem Vorhof und li. Kammer
MPG Medizin-Produkte-Gesetz (ersetzt die frühere Medizin-
Geräte-Verordnung =MedGV)
Notkompetenz Berechtigung zur Ausübung bestimmter Handlungen im
(rechtfertigenden) Notfall unter bestimmten Voraussetzungen
Purkinje-Fasern Endaufzweigungen der Tawara-Schenkel in der Arbeits-
(Purkinje-Endnetz) muskulatur des Herzens
Reizbildungs- und Gesamtheit der spezialisierten Herzmuskelzellen, die der
Erregungsleitungs- Reizbildung- und Erregungsleitung dienen
system
Rhythmusstörungen Abweichungen vom „normalen“, d.h. vom Sinusknoten
ausgehenden Herzrhythmus mit vorzeitig einfallenden
Herzschlägen („Extrasystolen“) oder eine auch länger
andauernde Reizbildung, die nicht vom Sinusknoten aus-
geht, ein unangemessen langsamer oder schneller Puls
oder Pulsunregelmäßigkeiten aus anderer Ursache.
Schenkelblock Unterbrechung der Erregungsleitung in den TAWARA-
Schenkeln (entweder nur rechter Schenkel, nur linker
Schenkel oder kombiniert)
Septum (interventrikulare) Trennwand zwischen linker und rechter Herzkammer
Sinusknoten Teil des spezifischen Reizbildungs- und Erregungsleitungs-
systems des Herzens, im rechten Vorhof gelegen. Erzeugt
rhythmische elektrische Erregungen, die in der Arbeits-
Muskulatur des Herzens deren Kontraktion auslösen.
(„Natürlicher Schrittmacher“ des Herzens)
Sinusrhythmus Herzrhythmus, bei dem die Reizbildung vom Sinusknoten
ausgeht
Supraventrikuläre Schneller Herzschlag/Puls, Ausgangsort oberhalb (= supra)
Tachykardie der Ventrikel, also meist im Vorhofbereich liegend.
Systole Kontraktionsphase der Ventrikelmuskulatur
Tachykardie: Schneller Herzschlag/Puls (Tachy = schnell), über 100/min.
Tawara-Schenkel Bahnen des spezifischen Erregungsleitungssystems zum rechten
und linken Ventrikel, die aus der Aufspaltung des HIS-Bündels
in einen rechten und linken Schenkel entstehen
Tubus Hier: Schlauch, der in die Luftröhre zur sicheren Beatmung
eingelegt wird
Vorhofflimmern Ungeordnete, sehr schnelle Kontraktionen einzelner
Abschnitte der Vorhofmuskulatur. Durch die absolut
unregelmäßige Weiterleitung der Erregung auf die Kammern
kommt es zu einem „absolut arrhythmischen“ Puls.
VT ventrikuläre Tachykardie: Rhythmusstörung mit schneller
Aufeinanderfolge von Kammersystolen, die ihren Ursprung
in Herzkammern (=Ventrikeln) hat.
(Geändert 10.06.2007)

