Dies und Das

 

 

Erfolgreiche Frühdefibrillation durch den HvO am 17. Mai 2007

 

Am Abend des 17.05.2007 erschien ein junger Mann bei der BRK-Bereitschaft Oberwarmensteinach und berichtete aufgeregt, er sei eben telefonisch benachrichtigt worden, seine Großmutter habe einen Herzinfarkt erlitten. 3 Mitglieder der Bereitschaft, Michael Appelt, Harald Bauer und Alexander Prechtl, fuhren sofort zum Notfallort, fanden eine leblose Patientin vor und begannen unverzüglich  mit der Basisreanimation („Herz-Lungen-Wiederbelebung“). Die Angehörigen hatten auch die Rettungsleistelle angerufen, welche neben dem Rettungsdienst mit Notarzt auch den HvO („Helfer vor Ort“) Fichtelgebirge alarmierte, der vor dem Rettungsdienst eintraf. Die Basisreanimation war bis zum Eintreffen des HvO, Thomas Mathy, Bereitschaft Fichtelberg,  von den 3 Sanitätern der Bereitschaft Oberwarmensteinach über 5 – 7 Minuten durchgeführt worden. Der Einsatz des AED (Automatischer externer Defibrillator) zeigte ein Kammerflimmern als Ursache des Kreislaufstillstandes. Nach 2 Elektroschocks konnte wieder ein pulswirksamer Herzrhythmus ausgelöst werden, die Patientin wurde nach weiterer Versorgung durch die Notärztin in stabilem Kreislaufzustand ins Klinikum Bayreuth gebracht.

 

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Von links: M.Appelt, H.Bauer, A.Prechtl, Th. Mathy                                              Th. Mathy mit dem AED

 

Allein durch diesen Einsatz des AED´s hat sich die Unterstützung des HvO - Projekts durch die Bevölkerung des Hohen Fichtegebirges ausgezahlt. Es ist bestimmt auch im Sinne der geretteten Patientin, allen Bürgern und Firmen zu danken, die durch ihre teils sehr großzügige finanzielle Unterstützung den Aufbau des HvO als im wörtlichen Sinn lebenswichtige Ergänzung des Rettungsdienstes ermöglicht haben.

 

Dieser Fall zeigt aber auch die große und entscheidende Bedeutung des Ineinandergreifens der „Rettungskette“. Nur durch die Überbrückung der Zeit bis zum Einsatz des AED durch eine gut durchgeführte Basis–Reanimation in Form der Herzdruckmassage und Beatmung konnten die weiteren Maßnahmen noch zum Erfolg führen. Diese Basisreanimation ist für jeden einigermaßen gesunden Jugendlichen und Erwachsenen leicht erlern- und anwendbar. Es wäre eine tolle Sache und eine Freude für die Angehörigen der BRK–Bereitschaften des Hohen Fichtelgebirges, wenn die Ausbildungsangebote für die Herz-Lungen-Wiederbelebung auf Ihr Interesse stoßen würden.

 

(Dr. Peter Fülle, Bereitschaftsarzt der Bereitschaften Warmensteinach und Oberwarmensteinach)

 

 

Ein neues Projekt wird beim BRK Bayreuth umgesetzt: Die Frühdefibrillation durch den „Helfer vor Ort“ (HvO)

 

Ich habe dazu einen Leitfaden für die Ausbildung entworfen, den ich nachfolgend vorstelle.

 

 

HvO – Ausbildung  zur Frühdefibrillation

mit AED´s

 

(Dr. med. Peter Fülle, Warmensteinach)

 

SATC2D4
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Benützte Quellen:

1. alert  Supplement 2/94 (Interdisziplin. Workshop Frühdefibrillation)ANR: „Die Leitlinien 2000 für die Cardiopulmonale Reanimation“

   Internet-Seiten des rzr

2. Ausbildungsinformationen im Bayerischen Roten Kreuz März 2001

3. Laerdal „News Flash“, Ausgabe 6 – Okt. 2001, S. 13: „Anforderungen an die Laienausbildung in der Frühdefibrillation“ von R. Tries

4. Taschenatlas der Physiologie, Thieme-Verlag

5. Seminarunterlagen für Projektleiter Frühdefibrillation (24. Fortbildungstagung der agbn Oktober 2006, Lindau)

6. Internetseite www.bnk.de

                                   

(Stand:Juni 2007)

 

WARUM  ÜBERHAUPT  FRÜHDEFIBRILLATION ?

 

Der „plötzliche Herztod“ ist nach wie vor eine häufige Ursache für den vorzeitigen Tod vieler Menschen, vor allem in der westlichen Welt (Ursache: „Wohlstandsgesellschaft“)

 

Auf 1000 Einwohner kommt es im Jahr zu durchschnittlich 1,4 Fällen eines plötzlichen Herztodes bzw. zu rund 0,9 Reanimationen pro Jahr.

 

Beim plötzlichen Herztod liegen in ca. 80% der Fälle Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern (KF) oder pulslose Ventrikuläre Tachykardien (plVT) vor, die den Kreislaufstillstand hervorrufen.

 

Beim Auftreten von KF oder einer plVT läuft die Zeit gegen das Überleben rasch ab: Nach 4 Minuten Kreislaufstilstand ohne jede Reanimation werden bleibende Schäden zu erwarten sein, nach 7 Minuten ohne BLS („Basis life support“) bleibt der betreffende wahrscheinlich ein Pflegefall. 10 Minuten ohne BLS bedeuten in der Regel den Tod.

 

Eine früh einsetzende Herz-Lungen-Wiederbelebung ist daher eine wichtige Voraussetzung für einen günstigen Ausgang bei aufgetretenem KF bzw einer plVT.

 

Zur Beseitigung eines KF oder einer plVT ist der Einsatz eines Defibrillators die ent-scheidende Maßnahme; je früher er zum Einsatz kommt, umso besser werden die Chancen

für ein qualifiziertes Überleben des Patienten, d.h. für ein Überleben mit ausreichender

Lebensqualität.  

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                   (aus „alert“ 2/94, S. 13, Medizinisch-wissenschaftl. Grundlagen/Überlebenskette)

 

 

Mit jeder Minute, die das KF andauert, sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Defibrillation, das KF geht in eine Asystolie über. Dies sind die Gründe dafür, durch eine breite Schulung der FD mittels AED´s den schnellstmöglichen Elektroschock zu ermöglichen.  

                      

 

Physiologie und Pathophysiologie der Herztätigkeit

 

Das Herz ist ein Muskel, der zu eigenständigen, rhythmischen Kontraktionen befähigt ist. Teile des Myokards haben sich zu einem „Reizbildungs- und Erregungsleitungssystem“ entwickelt, welches für das regelmäßige Auftreten von Reizen zur Kontraktion der Arbeitsmuskulatur des Herzens und für eine geordnete Ausbreitung der damit verbundenen elektrischen Erregung verantwortlich ist.

 

Folgende anatomische Strukturen können unterschieden werden:

 

1. Sinusknoten           der reguläre Schrittmacher des Herzens 

 

2. AV-Knoten             zwischen Vorhöfen und Kammern gelegen, einzige Stelle,                                              

                           an der  die Erregung von den Vorhöfen auf die Kammern über –

                               gehen kann. Verzögert dabei die Erregungsüberleitung

 

3. HIS-Bündel            Entspringt aus dem AV-Knoten und teilt sich nach kurzem Weg

                               in die Leitungsbahnen zu den Ventrikeln

 

4. TAWARA-Schenkel   Aufzweigungen des HIS-Bündels, leiten die Erregung in den

                               rechten (re. Tawara-Schenkel) bzw. linken (li. Tawara-

Schenkel) Ventrikel

 

5. PURKINJE-Fasern    oder Purkinje-Endnetz: Endaufzweigungen der Tawara-

                               Schenkel Hier erreicht die fortgeleitete Erregung das Arbeits-

                               myokard und bringt es zur Kontraktion.

 

SAT6092                           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sinusknoten liegt im rechten Vorhof an der Einmündung der oberen Hohlvene; da die elektrischen Entladungen („Depolarisationen“) im Sinusknoten schneller als in allen anderen Abschnitten des Erregungsleitungssystems erfolgen (ca. 60/min.), übernimmt der Sinusknoten üblicherweise die Steuerung des Herzrhythmus.

 

Vom Sinusknoten aus breitet sich die Erregung über die schwach ausgebildete Arbeitsmusku-latur der Vorhöfe aus und bringt diese zur Kontraktion. Gleichzeitig wird die Erregung über Leitungsbahnen zum AV-Knoten geleitet, der einzigen Stelle, an der die Erregung von den Vorhöfen in die Kammern übergeleitet werden kann. Ansonsten sind Vorhöfe und Kammern des Herzens durch eine isolierende, weil nicht depolarisierbare Bindegewebsschicht getrennt.

Die Erregungsweiterleitung wird im AV-Knoten verzögert, so dass die Kammererregung erst 0,12 – 0,20 Sek. nach der Vorhoferregung beginnt, wenn diese bereits wieder abgeklungen ist.

Der AV-Knoten wäre auch in der Lage, als Schrittmacher die Ventrikel zu stimulieren, allerdings mit einer niedrigeren Frequenz als der Sinusknoten, nämlich mit ca. 45 –50/min.

 

Aus dem AV-Knoten tritt das HIS-Bündel aus, welches sich alsbald in eine Leitungsbahn zum rechten und linken Ventrikel aufteilt, den rechten und linken TAWARA-Schenkel. Die TAWARA-Schenkel verästeln sich baumartig in immer kleiner Aufzweigungen, die als PURKINJE-Fasern in der Arbeitmuskulatur der Kammern enden und diese durch Auslösung einer Depolariation zur Kontraktion bringen.

 

Auch im HIS-Bündel, in den TAWARA-Schenkeln und im PURKINJE-Endnetz entstehen rhythmische Entladungen, die aber vom AV-Knoten abwärts immer niedriger Frequenzen haben, so dass die vom Sinusknoten ausgehenden Impulse alle anderen möglichen Schritt-macher überfahren. Im Falle einer kompletten Unterbrechung der Erregungsleitung, z.B. im HIS-Bündel, können diese in den TAWAR-Schenkeln gelegenen Schrittmacher aber aktiv werden und die Ventrikel stimulieren, dann allerding mit einer Herzfrequenz von 25 – 30/min.

 

Bei Verzögerungen der Erregungsleitung in den Aufzweigungen der TAWARA-Schenkel oder im Purkinje-Endnetz können „kreisende Erregungen“ auftreten, die hochfrequente, unkoordinierte Depolarisationen der Kammermuskulatur auslösen, das Kammerflimmern.

 

Kammerflimmern (KF)

Beim KF treten völlig unkoordinierte Depolarisationen in der Kammermuskulatur mit einer Frequenz von 250-400/min. auf, die keinerlei Auswurfleistung b-wirken, das Herz „wackelt“ nur hochfrequent wie ein Wackelpuddig, es besteht ein Kreislaufstillstand.

 

Pulslose ventrikuläre Tachykardie (plVT)

Die Frequenz der Entladungen in der Kammermuskulatur ist niedriger (200-250/min.) und treten gleichmäßig auf, allerdings kommt es auch hier nicht zu einem Auswurf von Blut aus der linken Herzkammer, da diese sich bei der hohen Frequenz infolge der zu kurzen Diastole nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann. Auch hier kommt es zum Kreislaufstillstand.

 

Asystolie

Wenn keine Depolarisationen der Herzmuskulatur mehr auftreten, als auch ein „elektrischer“ Herzstillstand vorliegt, spricht man von einer Asystolie. Hier sieht man im EKG keinerlei Ausschläge, sondern nur eine „Nulllinie“. Selbstverständlich bedeutet auch dies, dass ein Kreislaufstillstand vorliegt.

 

Elektromechanische Entkoppelung

Mit diesem Begriff beschreibt man einen Zustand des Herzens, bei dem zwar im EKG einigermaßen regelmäßige Entladungen zu erkennen sind, die aber keinerlei Pumpleistung des Herzens auslösen. Hierbei handelt es sich meist um eine schwerste Schädigung des Herzens, welche in der Regel in eine finale Asystolie übergeht („Sterbendes Herz“).

 

Andere Rhythmusstörungen

In den Vorhöfen kann Flimmern der Arbeitsmuskulatur auftreten, ohne dass das Flimmern die Ventrikelmuskulatur erfasst. Durch die Bremsfunktion des AV-Knotens werden die hochfrequenten Flimmererregungen der Vorhöfe nicht gleich  auf die Kammern übergeleitet, sondern es kommt zu einer abolut unregelmäßigen Überleitung von Erregungen, so dass die Kammern „absolut arrhythmisch“ schlagen. Hierbei besteht kein Kreislaufstillstand, sondern es fällt nur ein dauernd unregelmäßiger Puls auf. Es besteht eine absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern.

 

Sowohl in den Vorhöfen wie in den Kammern können  verfrüht einfallende „Zwischenschläge“ auftreten, sogenannte Extrasystolen, die im Tagesverlauf bei fast jedem Menschen auftreten können und die zumeist harmlos sind.

 

Die Überleitung der Vorhoferregung in die Kammern durch den AV-Knoten kann gestört sein, was zu einem unregelmäßigen oder zu einem langsamen Puls führen kann. Es kann sein, dass in bestimmten Intervallen vom Sinusknoten ausgehende Erregungen nicht übergeleitet werden (AV-Block II. Grades) oder es kommt zu einer vollständigen Unterbrechen der Erregungsüberleitung  (AV-Block III. Grades), wobei die Stimulierung der Kammern dann von einem Schrittmacher unterhalb der Unterbrechung mit entsprechend niedriger Frequenz erfolgen muss. Ein AV-Block I. Grades liegt vor, wenn zwar jede Vorhoferregung übergeleitet wird, jedoch mit einer Verzögerung über 0,20 Sek.; es handelt sich also um eine Diagnose, die nur im EKG erkannt werden kann und  die sich beim Pulsfühlen nicht zu erkennen gibt.

 

Defibrillierbare Rhythmusstörungen

Mittels Defibrillation werden in der Notfallmedizin das Kammerflimmern und die pulslose Ventrikuläre Tachykardie behandelt. Bei diesen Rhythmusstörungen ist der Patient infolge des Kreislaufstillstandes tief bewusstlos.

 

Unter Umständen wird der Notarzt auch eine Ventrikuläre Tachykardie (VT) defibrillieren, die nicht mit einem Kreislaufstillstand einhergeht, sondern bei der noch ein Puls getastet werden kann. Da dabei aber der Patient in der Regel nicht bewusstlos ist, muss zuvor eine Narkose eingeleitet werden.

 

Zwar kann auch das Vorhofflimmern mittels Elektroschock beseitigt werden, man spricht hier von der „Kardioversion des Vorhofflimmerns“, dies ist aber kein Thema für die Notfallmedizin

 

Nicht-defibrillierbare Rhythmusstörungen

Eine Asystolie ist nicht defibrillierbar und daher keine Indikation für eine Defibrillation, ebenso wenig eine elektromechanische Entkoppelung. Nicht defibrilliert wird bei Extrasystolen und bei AV-Blockierungen.

 

Indikationen für die Frühdefibrillation

Für die Frühdefibrillation durch Nicht-Ärzte mit einem AED verbleiben also ausschliesslich das Kammerflimmern (oder Kammerflattern) sowie die pulslose ventrikuläre Tachykardie.

  

Ursachen für die Entstehung von Kammerflimmern bzw. von VT´s

Schwerwiegende Rhythmusstörungen bis hin zum Auftreten von Kammerflimmern und ventrikulären Tachykardien sind nicht selten Begleiterscheinungen der Koronaren Herz-krankheit, also der Erkrankung der Herzkranzgefäße, insbesondere bei deren Endpunkt, dem Auftreten eines Herzinfarktes durch kompletten Verschluss einer Koronararterie.

 

Auch bei anderen Herzerkrankungen (Herzklappenfehlern, Herzmuskelentzündungen usw) können Rhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern auftreten.

 

Stromunfälle können Kammerflimmern auslösen, ebenso wie Ertrinkungsunfälle oder andere Zustände mit Sauerstoffmangel.

 

Kammerflimmern kann eintreten als Folge von Medikamentenvergiftung oder als Medikamentennebenwirkung, bei schweren Elektrolytstörungen (Kaliummangel oder bei einer schweren Unterkühlung.

 

Zahlenmäßig die größte Bedeutung dürfte die Koronare Herzkrankheit (KHK) als Auslöser eines Kammerflimmerns haben.

 

 

Die Koronare Herzkrankheit

Unmittelbar nach dem Abgang aus dem linken Ventrikel gehen in Höhe der Taschenklappen aus der Aorta die rechte und linke Kranzarterie ab, die das Herz in Höhe des Übergangs der Vorhöfe in die Kammern wie ein Kranz umfassen, daher der Name Kranz- oder Koronararterien. Die Kornararterien führen dem Herzmuskel sauerstoffreiches Blut zu, das dieser für seinen Energiestoffwechsel in reichlichem Maße benötigt.

 

Die Weite der Koronararterien hat eine große Sicherheitsspanne: Nahezu 70% der normalen Weite einer Koronararterie kann eingeengt sein, bevor es zu Symptomen des Sauerstoffmangels im nachfolgenden Herzabschnitt kommt. Bei einem Verschluss eines Herzkranzgefäßes kann der von der Versorgung abgeschnittene Anteil des Herzmuskels absterben, wenn der Verschluss nicht innerhalb von 1 – 3 Stunden wieder eröffnet werden kann oder ausreichend vorhandene Umgehungskreisläufe der Koronararterien die Katastrophe verhindern. Das Absterben des Herzmuskels durch Sauerstoffmangel infolge eines Koronar-arterienverschlusses bezeichnet man als Herzinfarkt.

 

Wegbereiter („Risikofaktoren“) einer KHK sind der Nikotinkonsum, erhöhte Blutfette, die Zuckerkrankheit und weiter der Bluthochdruck sowie Übergewicht und Bewegungsmangel als

Weit verbreitete „Grund-Risikofaktoren“.

 

Auch bei kleinen Herzinfarkten, bei denen nur eine kleine, für die Pumpfunktion des Herzens unbedeutende Muskelmasse abstirbt, kann ein Kammerflimmern auftreten und zum Tod im Kreislaufstillstand führen.    

 

 

 

 

RECHTLICHE GRUNDLAGEN

 

Der Arztvorbehalt bei der Ausübung der Heilkunde

Im Heilpraktikergesetz wird im §1 festgelegt, dass die Ausübung der Heilkunde nur durch Ärzte oder mit behördlicher Genehmigung erfolgen darf.

 

Ausführen ärztlicher Maßnahmen im Rahmen der Delegation

Der Arzt kann Teile der ärztlichen Maßnahmen an Nicht-Ärzte delegieren. Dies setzt voraus, dass die übertragene Maßnahme grundsätzlich delegierbar ist (z.B. Legen eines venösen Zugangs,  Verabreichen von Medikamenten) und dass der die ihm übertragene Maßnahme Ausführende dafür auch qualifiziert ist (z.B. der Rettungsassistent als Helfer des Notarztes, die Arzthelferin als Helferin des niedergelassenen Vertragsarztes).

 

Eine Delegation von ärztlichen Leistungen ist nur möglich, wenn der delegierende Arzt an der Einsatzstelle anwesend ist ! Eine Delegation ist nur möglich im konkreten Einzelfall, nicht auf begrenzte Dauer, und wenn der Durchführende dazu qualifiziert ist und der ständigen ärztlichen Kontrolle unterliegt

 

Im Falle einer Delegation ärztlicher Maßnahmen hat der Arzt die Anordnungsverantwortung und die Überwachungsverantwortung. Beim Ausführenden, z.B. dem Rettungsassistent, liegt die Durchführungsverantwortung und die Pflicht zur lückenlosen Dokumentation. Dies bein-haltet, dass der RA für das im Rahmen der Delegation eingesetzte Gerät eine gültige Einweisung nach MedGV oder jetzt MPG (Medizinproduktegesetz) verfügen muss.

 

Maßnahmen im Rahmen der Notkompetenz

Nach § 34 StGB besteht ein „rechtfertigender Notstand“ wenn zur Abwendung einer konkreten, gegenwärtigen Gefahr für Gesundheit und Leben eines Dritten angemessene Mittel im Rahmen einer Rechtsgutabwägung angewendet werden, um die bestehende Gefahr abzuwenden.

 

Nach dem Arztvorbehalt in §1 des Heilpraktikergesetzes darf ein Nichtarzt keine Mittel anwenden, die in die Unversehrtheit des Körpers eines anderen Menschen eingreifen, sonst würde er sich strafbar machen.

 

Liegen aber Umstände vor, die es unabwendbar erscheinen lassen, eben solche Eingriffe vorzunehmen, um das Leben eines Dritten zu retten, wobei keine Alternativen erkennbar sind, dann liegt ein rechtfertigender Notstand vor.

 

Frühdefibrillation durch Laien im Rahmen der Notkompetenz

Beim Vorliegen eines Kammerflimmerns oder einer pulslosen ventrikulären Tachykardie ist eine möglichst frühe Defibrillation eine allgemein anerkannte Maßnahme, das Leben des betroffenen zu retten.  Wenn nicht in Minutenfrist ärztliche Hilfe zu erwarten ist, das Vorliegen von Kammerflimmern bzw. einer pulslosen Kammertachykardie sicher erkannt werden kann und der betreffende, zu Hilfe kommende Laie aufgrund einer Schulung und Einweisung ausreichende Kenntnisse für eine sichere Bedienung des AED besitzt, dann kann er im Rahmen der Notkompetenz eine Frühdefibrillation mit einem AED ausführen, da Gründe für einen rechtfertigenden Notstand vorliegen.

 

Durch die Ausbildung in der HLW ist der Laie in der Lage, einen Kreislaufstillstand zu erkennen, die Diagnose einer defibrillierbaren Ursache des bestehenden Kreislaufstillstandes übernimmt der AED. Durch die spezielle Schulung und Einweisung in den Gebrauch des AED ist der Laie berechtigt, diesen anzuwenden, wenn ärztliche Hilfe nicht in erforderlicher Kürze erreichbar ist.

 

Die Voraussetzungen für die FD im Rahmen der Notkompetenz sind also:

  1. Vorliegen der Notfallsituation mit bestehender Lebensgefahr (Kreislaufstillstand)
  2. Angemessenheit der Maßnahme (Defibrillation bei KF als bestes Mittel)
  3. Qualifikation des Durchführenden
  4. Keine kurzfristige ärztliche Behandlungsübernahme
  5. Die Zustimmung des Patienten zur beabsichtigen Maßnahme kann unterstellt werden

 

 

Wenn die FD im Rahmen eines organisierten HvO-Dienstes erfolgt, ist eine Geräteeinweisung nach MPG zwingend erforderlich. Weiterhin ist für die Anwendung der FD im Rahmen des HvO-Dienstes im Auftrag und Namen einer Hilfsorganisation eine Überwachung  bzw. Nach-besprechung  jedes Einsatzes des AED durch den ärztlichen Programmleiter erforderlich !

Dies erfordert eine lückenlose Dokumentation eines jeden Einsatzes des AED.

 

 

REANIMATION 2006 – BASIC LIFE SUPPORT

 

Die Grundlage für eine erfolgreiche Frühdefibrillation ist eine solide Basisreanimation nach den gültigen Richtlinien. Der Algorithmus der Basis-Reanimation durch Fachpersonal, zu dem der HvO aufgrund seiner Ausbildung gehört, wird im nachfolgenden Diagramm dargestellt und ist die Grundlage für das weitere Vorgehen.

 

Beachten Sie bitte die Änderungen gegenüber dem früheren Algorithmus mit dem immer  anzuwendenden Verhältnis Herzdruckmassagen : Beatmungen 30 : 2, dem sofortigen Notruf bei anzunehmender kardialer Ursache der Bewusstlosigkeit und der vorgezogenen Herstellung der Absaugbereitschaft.

 

Dieser Algorithmus ist vom BRK übernommen worden und verbindliche Grundlage für die Schulung der Reanimation.

 

Da es im Internet schon hervorragende Darstellungen des Ablaufs einer Reanimation gibt, verweise ich einfach auf eine entsprechende Seite, die als Link zu öffnen ist:   http://www.bnk.de/transfer/files/Reanimation.ppt

Zum Öffnen der Seite ist Powerpoint erforderlich.

 

 

HANDLUNGSABLAUF BEI ANWENDUNG DES AED

 

Bei Verfügbarkeit eines AED hat die Klärung, ob einem Kreislaufstillstand ein KF oder eine pulslose VT zu Grunde liegt, also defibrillierbare Rhythmusstörungen, zwar weiter eine hohe Priorität, der Algorithmus 2006 betont aber wieder die Bedeutung der Wiederherstellung eines Kreislaufs.

 

Beim Einsatz des HvO mit über die Rettungsleitstelle erfolgter Alarmierung ist davon auszugehen, dass die Lage „bewusstlose Person“ bekannt und eine Notarztalarmierung zeitgleich erfolgt ist. Im Zweifelsfall sollte dies bei der Anfahrt nachgefragt werden.

 

Bei einem nicht beobachtetem Kollaps  ist der Ablauf einer Reanimation wie folgt:

 

Atemwege freimachen, Atem-/ Pulskontrolle

 
 

 

 


                                           

Ggf. NA-Ruf

 
 

 

 

 

CRP 30:2  = 5 Zyklen

2 Minuten

In dieser Zeit Vorbereiten und Inbetriebnahme des AED

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


(Folie des BRK-Landesverband)

 

Bei erfolgreicher Defibrillation (AED: „Puls prüfen !“) mit wieder tastbarem Puls ggf. weitere Beatmung.

 

Bei Übergang auf einen nicht defibrillierbaren Zustand und weiter bestehendem Kreislaufstillstand (Asystolie, elektromechanische Entkoppelung) Basisreanimation.

 

Nach Eintreffen des Rettungsdienstes/Notarztes wird dieser die Reanimation übernehmen und ggf. den „advanced life support“ einleiten oder die Lage stabilisieren, bis die Transportfähigkeit gegeben ist.

 

Grundsätzlich kann es aber immer wieder erforderlich sein, den Handlungsablauf der tatsächlichen Situation anpassen zu müssen.

 

Merke:

Der AED ersetzt nicht das eigene Mitdenken !!!

 

 

Abkürzungen, Fremdworte und Fachbegriffe

 

 

AED                          Automatischer Externer Defibrillator

 

Algorithmus               Beschreibung bzw. Festlegung eines Handlungsablaufs

 

ALS                          „Advanced life support“ = Erweiterte Maßnahmen der

                               kardiopulmonalen Reanimation (HLW) durch Massnahmen

                               wie Intubation, Medikamentengabe, Defibrillation

 

Angina pectoris           „Brustenge“; Schmerzen in der Brust, die durch eine Durch-

                               Blutungsstörung des Herzmuskels mit dadurch ausgelöster

                               Sauerstoffnot verursacht werden.

 

Asystolie                    Völliges „Stillstehen“ des Herzens („Fehlen von Systolen“),

prognostisch bedenkliche Ursache eines Kreislaufstillstandes

 

Atrium                      Vorhof des Herzens

 

AV-Block                   Störung der Erregungsleitung im AV-Knoten

                               (nur Zeitverzögerung = AV-Block I. Grades

                                Teilweiser Blockierung der AV-Überleitung = II. Grades

                                Völliger Ausfall der AV-Überleitung = III. Grades

 

AV-Knoten                 Atrioventrikularknoten, gehört zum „spezifischen Erregungs-

                               Leitungssystem“ des Herzens

 

BLS                          „Basic life support“ = „klassische“ HLW

 

Bradykardie               Langsamer Herzschlag (Brady = langsam), also unter

                               60/min.

 

Defibrillation               Hier im engeren Sinne: Beseitigung von ->Kammerflimmern

                               oder einer (pulslosen) ->ventrikulären Tachykardie durch

                               einen Stromstoss („Elektro-Schock“)

 

Diastole                     Erschlaffungsphase der Ventrikelmuskulatur

 

EKG                          Elektrokardiogramm = Darstellung bzw. Aufzeichnung

                               der elektrischen Felder, die durch die Entladungsvor-

                               gänge im Herzen entstehen

 

Herzinfarkt                Absterben von Herzmuskelzellen durch Sauerstoffmangel

                               infolge Verschluss einer Koronararterie

 

Herzkranzgefäße        Blutgefäße, die der Versorgung des Herzmuskels selber

                               Mit Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffen dienen;

                               umgeben das Herz wie ein „Kranz“, daher die Bezeichnung

 

HIS-Bündel                Abschnitt des Erregungsleitungssystems im Anschluss

                               an den AV-Knoten im obersten Teil des Septums

 

Intubation                  Einführen eines Tubus (=Beatmungsschlauches) in die

                               Luftröhre (oral: Einführen durch den Mund, nasal: Ein-

                               führen durch die Nase)

 

KF                            Kammerflimmern: ungeordnete, sehr schnelle Kontraktionen

                               der Muskelfasern der Kammermuskulatur ohne jede

                                Auswurfleistung von Blut: Frequenz 300-400/min.

 

Koronararterien          die Herzkranzgefäße im engeren Sinn; entspringen als

                               rechte und linke Koronararterie der Hauptschlagader

                               (Aorta) unmittelbar nach deren Abgang aus dem linken

                               Ventrikel im Bereich der Taschenklappen.

 

Kreislaufstillstand        Fehlender Blutfluss in den Schlagadern und Venen, z.B.

                               infolge -> Kammerflimmers, -> Asystolie, ->pulsloser

                               ventrikulärer Tachykardie u.a.

 

Lungenembolie           Plötzlich auftretende Verlegung der Lungenschlagader bzw.

                               deren Aufzweigungen durch ein Blutgerinnsel, das mit dem

                               Blutstrom aus den Venen des Körpers (Bein- oder Becken-

                               Venen stammend in die Lungenstrombahn verschleppt wird.

 

Mitralklappe               Segelklappe zwischen linkem Vorhof und li. Kammer

 

MPG                         Medizin-Produkte-Gesetz (ersetzt die frühere Medizin-

                               Geräte-Verordnung =MedGV)

 

Notkompetenz            Berechtigung zur Ausübung bestimmter Handlungen im  

                               (rechtfertigenden) Notfall unter bestimmten Voraussetzungen

 

Purkinje-Fasern          Endaufzweigungen der Tawara-Schenkel in der Arbeits-

(Purkinje-Endnetz)      muskulatur des Herzens

 

Reizbildungs- und        Gesamtheit der spezialisierten Herzmuskelzellen, die der

Erregungsleitungs-      Reizbildung- und Erregungsleitung dienen

system

 

Rhythmusstörungen    Abweichungen vom „normalen“, d.h. vom Sinusknoten

                               ausgehenden Herzrhythmus mit vorzeitig einfallenden

                               Herzschlägen („Extrasystolen“) oder eine auch länger

andauernde Reizbildung, die nicht vom Sinusknoten aus-

geht, ein unangemessen langsamer oder schneller Puls

                               oder Pulsunregelmäßigkeiten aus anderer Ursache.

 

Schenkelblock            Unterbrechung der Erregungsleitung in den TAWARA-

                               Schenkeln (entweder nur rechter Schenkel, nur linker

                               Schenkel oder kombiniert)

 

Septum (interventrikulare)   Trennwand zwischen linker und rechter Herzkammer

                              

Sinusknoten               Teil des spezifischen Reizbildungs- und Erregungsleitungs-

                systems des Herzens, im rechten Vorhof gelegen. Erzeugt

                               rhythmische elektrische Erregungen, die in der Arbeits-

                               Muskulatur des Herzens deren Kontraktion auslösen. 

                               („Natürlicher Schrittmacher“ des Herzens)

 

Sinusrhythmus           Herzrhythmus, bei dem die Reizbildung vom Sinusknoten

                               ausgeht

 

Supraventrikuläre       Schneller Herzschlag/Puls,  Ausgangsort oberhalb (= supra)

Tachykardie               der Ventrikel, also meist im Vorhofbereich liegend.

 

Systole                      Kontraktionsphase der Ventrikelmuskulatur

 

Tachykardie:              Schneller Herzschlag/Puls (Tachy = schnell), über 100/min.

 

Tawara-Schenkel                Bahnen des spezifischen Erregungsleitungssystems zum rechten

                               und linken Ventrikel, die aus der Aufspaltung des HIS-Bündels

                               in einen rechten und linken Schenkel entstehen

 

Tubus                       Hier: Schlauch, der in die Luftröhre zur sicheren Beatmung

                               eingelegt wird

 

Vorhofflimmern          Ungeordnete, sehr schnelle Kontraktionen einzelner

                               Abschnitte der Vorhofmuskulatur. Durch die absolut

                               unregelmäßige Weiterleitung der Erregung auf die Kammern

                               kommt es zu einem „absolut arrhythmischen“ Puls.

 

VT                            ventrikuläre Tachykardie: Rhythmusstörung mit schneller

                               Aufeinanderfolge von Kammersystolen, die ihren Ursprung

                                in Herzkammern (=Ventrikeln) hat.

 

(Geändert 10.06.2007)